„Falsche Tauben“

Beitrag und Video von Gabi Röhrl

Es geht dem Sommer zu, Pfingsten steht bevor. Mit Zungen wie von Feuer soll der Heilige Geist der Apostelgeschichte seine Schäflein katholisch gemacht haben. Und die waren dann auch nicht weniger kreativ, als sie während der Festtagsliturgie den Heiligen Geist in Gestalt einer hölzernen Taube von der Kirchendecke, respektive aus dem Heilig-Geist-Loch, herabschweben ließen. Was waren das noch Zeiten – insbesondere für die übersinnlich codierten Kinder!

Und weil man in Bayern das Geistliche und das Leibliche nie so recht auseinander halten konnte, rankten über die Zeit zahlreiche Bräuche um den spirituellen Kern.

Da wäre zum Beispiel die Geschichte mit dem Pfingstochsen: Kurz vor dem Fest führten standesbewußte Metzger einen aufwändig geschmückten Prachtochsen durch den Ort. Man wollte zeigen, daß man den schönsten und am besten gemästeten Ochsen gekauft hatte und das ansonsten degoutant beleumundete Handwerk zur Schau stellen. Die nämlichen Ochsen mußten dann schließlich auch noch als Metapher für auffallend aufgebrezelte Kirchenbesucher herhalten.

Der Festtagsbraten, in der schicksalhaften Endbestimmung des Ochsen, war in vormaliger Zeit allerdings nicht für jedermann erschwinglich. So kam die Taube, wenn auch als «falsch» deklariert, auf den Tafeln der ärmeren Leute noch einmal zum Einsatz. Ein falscher Fünfziger war sie trotzdem nicht. Denn der Geschmack hielt, was das Rezept aus einem alten Kochbuch versprach.

Zutaten:

6-8 Semmeln vom Vortag, 600-800 g gemischtes Hackfleisch (je nach Größe der Semmeln), 1 große Zwiebel, 200 g Karotten, Salz, Pfeffer, Majoran, etwas scharfes Paprikapulver, einige feine Scheiben Schinken

Wurzelgemüse (Karotten, Fenchel, Sellerie) für den Saucenansatz, frische Kräuter (Thymian, Rosmarin)

Zubereitung:

 

Den Backofen auf 190 Grad vorheizen.

Die Semmeln seitlich anschneiden und aushöhlen.
Zwiebeln und Karotten kleinschneiden und dünsten. Zur Hackfleischmasse geben und diese noch mit Salz Pfeffer, Majoran und scharfem Paprikapulver würzen und vermischen.

Die hohlen Semmeln damit füllen und in eine vorbereitete Reine mit der Anschnittstelle nach unten geben. Mit Milch bepinseln, so daß die Semmeln etwas weich werden. In die Reine noch grob geschnittenes Wurzelgemüse und frische Kräuter zufügen.

Die Semmeln mit etwas weicher Butter bestreichen. Für ca. 40 Minuten (ist abhängig von der Größe der Semmeln) backen. Kurz vor Ende der Backzeit den Schinken über die „Falschen Tauben“ geben.

Dazu paßt ein gartenfrischer Salat.

Guten Appetit und schöne Pfingsttage!

 

 

 

 

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