Von Oldtimern, Erinnerungen und einer Leidenschaft

Am Anfang war die Ernüchterung.  Nachdem er, Albert Hilz (79), im Jahr 2003 die  Bewirtschaftung seiner Hopfenfelder in Niederumelsdorf aufgegeben und alles landwirtschaftliche Gerät verkauft hatte. Plötzlich fand er sich unvermutet in einer leeren Hopfenhalle wieder. Obwohl so geplant, war da dieses mulmige Gefühl, das all jene beschleicht, die sich von einem lebenslang eingeprägten Bild plötzlich und für immer verabschieden. Von Kindesbeinen an war er in die vertrauten Abläufe der familiär betriebenen  Landwirtschaft eingebunden. Und innerhalb weniger Wochen war alles weg.

In dieser Situation des Umbruchs träumt der Albert Hilz auf seinem Hofbankerl immer wieder von  den Schleppergenerationen, den Fordsons und Fergusons, die ihm 35 Jahre treulich bei der Arbeit zur Seite standen. Wie sie betulich knatterten, an Festtagen herausgeputzt in der Sonne blinkten, wo sie Empfindlichkeiten zeigten, die er nach Feierabend mit größter Sorgfalt wieder behoben hat. Diese Träume ließen ihn einfach nicht mehr los. Und so reifte auf besagtem Hofbankerl eine folgenreiche Entscheidung: Ein Oldtimer muss her! 

Im Bauernbladl stieß er auf eine vielversprechende Anzeige. In Deuerling stand dann das Objekt der Begierde, einsam und verlassen, auf einem Feld in erbarmungswürdigem Zustand.  „Ausg’schaut hat er!“ Allein die Erinnerung ringt ihm ein ungläubiges Kopfschütteln ab, um mit verschmitzter Miene fortzufahren:  „Dann hob´ i mir aber denkt,  mit der Huif vo meim Bruder kannt ´s scho geh.“

Nach einem Jahr Arbeit war  ´s dann endlich soweit: Da prangte er in alter Pracht, sein erster Fordson. Und weil so ein Werk auch stolz macht, ging ´s gleich zur großen Oldtimer-Parade nach Siegenburg.  Lob und Anerkennung sind auf Albert nur so niedergeprasselt, daß er gar nicht anders konnte: „Ein zweiter mußte  her.“ Und plötzlich -wie aus dem Nichts- hatte sein Leben wieder einen neuen Inhalt, eine neue Aufgabe, eine neue Freude.

So kam einer zum anderen. Und dann hat der Albert sie mir alle gezeigt.  Den Fordson Dexta  31 BJ ’58, Ferguson Goldbauch FE 35 BJ 57, Massey Ferguson 35 BJ 587, und den Massey Ferguson 35, 3 Zylinder BJ 61. Alle liebevoll, über Jahre mit seinem Bruder restauriert.

Meine Aufmerksamkeit erfuhr allerdings eine ungewöhnliche Ablenkung. Die Phalanx der Oldtimer umschwirrte zwitschernd  – in noblem Schwarz-Weiß –  ein Schwarm aufgeregter Schwalben.  „Ja das g’fällt mir mindestens genauso gut wie meine Bulldogs. Acht Nester san in der Halle und in der ehemaligen Hopfendarre. Und auf die pass´ i mindestens genauso guad auf wia auf de Oldtimer.“ 

Albert erzählt weiter: „Woasst, so a Fahrt mit am Oldtimer durch die Holledau ist oafach was B’sonderes.  I sig de Felder und Hopfagärten wia’s beinand san. Es erinnert mich an mei Kindheit und meine Eltern. Aber auch de Oldtimertreffen möcht’ i ned missen. Des is wia a Familie. 200-300 Schlepper sind da immer dort und oana red mit’m andern. Wenn i dann abends von so am Treffen hoamfahr´, dann frei i mi und bin dankbar, dass i so an schena Dog wieder erleb’n hob derfa“.  

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